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Logo Susanne Zeidler

Seit 2002 lädt das Grundrechtekomitee ( www.grundrechtekomitee.de ) jährlich junge Israelis und Palästinenser zu einem Dialog in Deutschland ein. Hier können sie für zwei Wochen im täglichen Zusammensein meistens das erste Mal in ihrem Leben mit „der anderen Seite“ in Verbindung treten und sich austauschen.

Ein Teil dieses Projektes ist es, den jungen Erwachsenen Shiatsu Behandlungen zu geben. 2013 durfte ich an diesem Projekt, zusammen mit meiner Kollegin Linda Williams, teilnehmen. Mir ist es wichtig diese Friedensarbeit weiter in die Welt zu tragen.

Hier unser Pressetext dazu:

Shiatsu für israelische und palästinensische junge Menschen

Zwischen Köln und Bonn, in der Jugendakademie in Walberberg, findet seit über 10 Jahren alljährlich vierzehn Tage lang ein Austausch zwischen 30 israelischen und 30 palästinensischen jungen Erwachsenen statt. Dieses Projekt ist ein spannungsgeladenes Feld aus eher befeindeten Parteien.

Zu Beginn ist es eine große Herausforderung für die Teilnehmer hier anzukommen.

Ihnen ist das Klima fremd, die Essgewohnheiten sind ungewohnt, sie wissen nicht, auf wen sie treffen werden. Sie haben hier das erste Mal in ihrem Leben die Gelegenheit, ihrem Feind zuzuhören und ihm ihre eigenen Geschichten zu erzählen. All das bereitet großen Stress. Diesen Stress können wir bei der Shiatsu-Behandlung begegnen und so den Raum für die Bewältigung öffnen und halten.

Shiatsu als Raum

Wie wir von den Teilnehmern erfahren haben, empfanden sie den Praxis-Raum als friedlich, ruhig und zum Entspannen einladend. Sie wurden achtsam empfangen und spüren, dass es in diesem geschützten Rahmen um sie persönlich als einzigartigen Menschen ging und nicht um die Gruppe.

In der zweiten Woche erhielten wir mehrfach die Rückmeldung, dass sie mit uns über ihre Gefühle sprechen können, was ihnen sonst bei den anderen Teilnehmern nicht möglich war. Wir boten ihnen einen neutralen und vertrauensvollen Rahmen, in dem sie sowohl das Gespräch als auch die körperliche Berührung annehmen können. Dass es diese Möglichkeit in diesem Projekt gab, in dem Shiatsu-Praxisraum und auch außerhalb von diesem, z.B. in den Pausen, wäre für sie ganz wertvoll gewesen.

Die Shiatsu-Praxis

Wir begegneten verschiedenen Symptomen bei den Teilnehmern wie zum Beispiel Herzrasen, Schlaflosigkeit, Kurzatmigkeit, Muskelverspannungen oft im Schulter/Nackenbereich und Magenschmerzen. Bei einem Gruppenbegleiter war die Muskelverspannung in der rechten Schulter akut. Nach der ersten Behandlung war die Anspannung soweit gelindert, dass er wieder auf der rechten Seite schlafen konnte. Ein Teilnehmer mit akuten Schlafproblemen konnte gegen Ende der Behandlung einschlafen.

Seine Rückmeldung war, dass er das Gefühl hatte, ganz lang und ganz tief geschlafen zu haben und er erwachte in einem ruhigen, friedvollen Zustand. Eine andere Teilnehmerin hatte nach ein paar Tagen Atemnot, die sie von früheren Kongressen her kannte. Bei der Shiatsu-Behandlung konnte sie tief aufatmen und wollte anschließend gern wieder zur Gruppenarbeit. Wir hörten oft, dass sie Heimweh hatten, und wir konnten bei der Shiatsu-Behandlung das Gefühl für die innere Heimat unterstützen und verstärken.

Viele Emotionen kamen in diesen 2 Wochen an die Oberfläche. Die TeilnehmerInnen hatten täglich ca. vier 2-stündige Arbeitssitzungen, in denen sie in den Dialog miteinander traten. Der anfängliche Stress nach beschwerlicher Reise mit hohen Erwartungen in Walberberg anzukommen wich einer durchdringenden Wut und einem Zorn, die dann in eine Art Ohnmacht kippten. Nach ungefähr einer Woche waren alle TeilnehmerInnen sehr durcheinander, unendlich müde und gedanklich stark gefordert.

Langsam fielen die Masken, die anfängliche Vorsicht in den Begegnungen löste sich auf. Die Dialoge wurden heftiger und damit auch authentischer. Dies alles spiegelte sich in unseren Behandlungen wieder. Ohne den genauen Inhalt der Gruppenarbeit zu kennen waren wir doch alle in einem energetischen Feld und für uns als Shiatsu-Praktikerinnen war es eine ungeheure Herausforderung und auch wundervoll in die Berührung zu gehen.

Wir konnten den Teilnehmern vorbehaltslos begegnen, weil wir nicht in dem Prozess involviert waren. Während der Behandlungszeit ging es nur um sie und um ihr Fühlen in ihrem Körper. So konnte das, was in dem Projekt besprochen wurde, besser reflektiert und letztendlich umgesetzt werden.

Ein Teilnehmer konnte das auch genauso für sich benennen. Nach der Behandlung hatte er ganz klar und deutlich den Wunsch geäußert in seiner Heimat aktiv zu werden. Seine neuen Eindrücke aus der Gruppenarbeit konnten sich mit seinem Fühlen verbinden, und er konnte daraus die Idee für neues Handeln kreieren.

Wie wurde Shiatsu von den Teilnehmern angenommen?

Am Morgen nach der Ankunft gab es vom Gruppenleiter eine Einführung für alle Teilnehmer und Begleiter. Wir als Shiatsu-Team hatten Gelegenheit eine kurzweilige Beschreibung unserer Arbeit vorzubereiten und eine trug dies vor, während die andere eine Kurzbehandlung mitten im Kreis gegeben hat. Somit hatten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen eine ungefähre Idee, um was es sich bei Shiatsu handelt.

Am ersten Tag kamen schon einige Begleiter und Beobachter in unseren Shiatsu-Raum, am darauf folgenden Tag war der ausgehängte Terminkalender voll. Jede von uns gab täglich zwischen 8 und 10 Behandlungen von 30 Minuten. Es gab ein paar TeilnehmerInnen, die sich nicht auf Shiatsu einließen, andere kamen einmal, und eine Reihe kam gern mehrmals.

Unsere Klienten waren zunächst palästinensische Männer, dann ein paar Frauen, erst mit der Zeit kamen mehr und mehr Israelis dazu. Dies ist eine ungewohnte Entwicklung, da in früheren Jahren die Palästinenser Shiatsu eher kritisch gegenüberstanden.

Die Reaktionen der Teilnehmer auf den Raum waren durchweg positiv: Die ruhige, friedvolle Stimmung im Raum und die spürbar energetische Atmosphäre spürten fast alle und kommentierten dies auch.

Unsere Reflektionen

Wir fanden es sehr wertvoll, diese Erfahrung machen zu dürfen und auch sehr bemerkenswert, wie vertrauensvoll die Teilnehmer trotz dieser angespannten Thematik sich auf unsere Berührung eingelassen haben. Als Team zu arbeiten und sich über die Arbeit auszutauschen hat uns beiden viel gegeben, nicht nur für die eigene Shiatsu-Praxis.

So nah an einem brisanten Thema mit Shiatsu zu sein ist etwas Besonderes. Es gab auch eine Situation in der die Spannung plötzlich zugenommen hat und Teilnehmer die Behandlung einer Teilnehmerin verhindern wollten.

Wertvoll war es auch in diesen beiden Kulturen einzutauchen und wahrzunehmen, welche unterschiedlichen Eigenschaften uns auffielen. Zum Beispiel zeigten sich uns die Palästinenser eher emotional, laut, lebensfreudig, blumig, höflich, traditionell, konservativ und als Gruppe miteinander verbunden, während die Israelis uns eher intellektuell, reflektiert, zurückhaltend, kontrolliert, freundlich, bewusst, beobachtend, individuell erschienen.

Was für eine wunderbare Vorstellung – wenn beide Völkergruppen ihre Stärken miteinander verbänden!